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About the USA - Archiv
 

Meet the USA

About the USA

Wahlen in den USA

Der amerikanische Wähler im Wandel
von Daniel Gotoff

Die neuesten Wahlumfragen geben Aufschluss über die Ängste, Überzeugungen und Gefühle der US-Bürger vor der Präsidentschaftswahl 2008. Die Wähler äußern sich besorgt über terroristische Bedrohungen, pessimistisch bezüglich innenpolitischer Themen und interessiert an Staatsreformen. Ein Meinungsforscher der demokratischen Partei zieht den Schluss, dass "die US-Wählerschaft – die oft zurückhaltend ist, wenn es um grundlegende Veränderungen geht – momentan nervöser ist, wenn es darum geht, den Kurs beizubehalten." Daniel Gotoff ist Partner bei Lake Research Partners in Washington, D.C.

Die Präsidentschaftswahlen 2008 rücken näher und die US-Wähler befinden sich in einer einzigartigen und turbulenten Situation. Die Umfragen zeigen, dass das Land einen Krieg führt, den die Mehrheit der Amerikaner heute ablehnt. Fast sechs Jahre nach dem 11. September 2001 prägt die Angst vor weiteren Terroranschlägen noch immer das öffentliche Bewusstsein. Zudem sind die Ansichten der Wähler zu einer ganzen Palette von innenpolitischen Themen zunehmend von Besorgnis geprägt. Diese Dynamik der öffentlichen Unzufriedenheit vollzieht sich vor dem Hintergrund eines wachsenden Zynismus gegenüber den gewählten Volksvertretern, wird jedoch ausgeglichen durch das Gefühl, dass nur eine institutionelle Macht wie die US-Regierung in der Lage ist, dem Land dabei zu helfen, die jetzt anstehenden Herausforderungen zu bewältigen. Die wechselnden politischen Strömungen der vergangenen Jahre belegen, dass keine der beiden großen Parteien auf eine Regierungsmehrheit vertrauen kann. Ferner bewirbt sich zum ersten Mal seit Jahrzehnten weder ein amtierender Präsident noch ein amtierender Vizepräsident um das höchste politische Amt im Land. 

Inmitten all dieser Turbulenzen sind die amerikanischen Wähler, die grundlegenden Veränderungen oftmals zögerlich gegenüberstehen, diesmal noch nervöser, was eine Fortführung des Status quo anbelangt. Derzeit zeigen die Umfragen, dass nur 19 Prozent der Amerikaner glauben, der politische Kurs des Landes sei der richtige - die niedrigste Zahl seit zehn Jahren. (Im Juli 1997 waren 44 Prozent der Amerikaner der Meinung, der politische Kurs des Landes stimme, und nur 40 Prozent befanden, der Kurs sei falsch.) Heute sind ganze 68 Prozent der Meinung, das Land befinde sich auf dem falschen Kurs. Die weit verbreitete Unzufriedenheit der Wähler hat zu einem fühlbaren Wunsch nach Veränderungen in den Vereinigten Staaten geführt, und zwar an drei Hauptfronten: Verbesserte Sicherheit im In- und Ausland, Verteilung des Wohlstands in der Volkswirtschaft sowie größere Rechenschaftspflicht der Regierung gegenüber den Menschen, denen sie dient.

Öffentliche Besorgnis über Terrorismus und Sicherheit

Obwohl sich die Stimmung der Wähler in den vergangenen Monaten dramatisch verändert hat, werden auch 2008 einige politische Realitäten weiterhin bestehen. Die Anschläge vom 11. September 2001 und ihre unmittelbaren Auswirkungen stechen wahrscheinlich am meisten hervor und prägen unsere Zeit und unsere Politik noch immer maßgeblich. Die instinktiven Ängste der Wähler hatten zur Folge, dass alle drei nationalen Wahlen seit dem 11. September hauptsächlich, wenn auch nicht ausschließlich, von sicherheitspolitischen Themen beeinflusst wurden.

Laut Wählerbefragungen nach den letzten beiden Wahlen nahm die Angst vor dem Terrorismus einen wichtigen Stellenwert ein. 2004 gaben 19 Prozent der Wähler den Terrorismus als ihre größte Sorge an (an zweiter Stelle hinter der wirtschaftlichen Situation mit 20 Prozent). 2006 war die Situation ähnlich – 72 Prozent der amerikanischen Wähler sahen den Terrorismus als wichtigen Faktor bei ihrer Wahlentscheidung. Und sogar im September 2006, als ABC die Frage das letzte Mal stellte, gaben fast drei Viertel der Amerikaner (74 Prozent) an, sie seien besorgt über mögliche Terroranschläge in den Vereinigten Staaten. 29 Prozent machten sich große Sorgen. Obwohl sich die Intensität dieser Ängste in den Jahren nach dem 11. September etwas abgeschwächt hat, hat sich das grundlegende Ausmaß der Bedenken kaum bewegt. Im Oktober 2001, weniger als einen Monat nach den Anschlägen, waren 81 Prozent der Amerikaner besorgt über mögliche weitere Anschläge in den Vereinigten Staaten (41 Prozent waren sehr besorgt).

Seit dem Einmarsch in den Irak und der wachsenden öffentlichen Ablehnung des Kriegs sind die Dimensionen Sicherheit und Terrorismus komplexer geworden – und politisch schwerer zu fassen. Im Oktober 2002 waren die Amerikaner der Meinung, die Republikaner seien besser in der Lage, mit dem Thema Terrorismus umzugehen als die Demokraten - mit einem Prozentunterschied von 23 Punkten: 47 Prozent im Vergleich zu 24 Prozent. Bis zum Oktober 2006 hatten sich die Standpunkte zu diesem wichtigen Thema jedoch stark verlagert. Die Öffentlichkeit zog jetzt die Demokraten den Republikanern mit 44 Prozent im Vergleich zu 37 Prozent vor.

2008 werden sich die amerikanischen Wähler für den Kandidaten entscheiden, dem sie am ehesten zutrauen, den Platz der Vereinigten Staaten auf der Welt zu sichern.

Mehr Pessimismus an innenpolitischer Front

Obwohl die Themen Irak und Terrorismus oft die Schlagzeilen dominieren, sind die Sorgen der Wähler auf innenpolitischer Ebene genauso groß. 2006 zeigten die Wählerbefragungen sogar, dass Sorgen bezüglich der Wirtschaft auf gleicher Höhe mit Sorgen über die nationale Sicherheit, den Irak und die Moral rangierten. Auf die Frage, wie wichtig verschiedene Themen bei der persönlichen Wahlentscheidung bei den Kongresswahlen seien, sagten 82 Prozent der Amerikaner, die wirtschaftliche Situation sei entweder extrem wichtig (39 Prozent) oder sehr wichtig (43 Prozent). Im Vergleich dazu stuften 74 Prozent Korruption und Moral als wichtig ein (41 Prozent als extrem wichtig), 67 Prozent befanden das Thema Irak als wichtig (35 Prozent als extrem wichtig) ebenso wie 72 Prozent Terrorismus als wichtig einstuften (39 Prozent als extrem wichtig).

Seit den Wahlen 2006 haben sich die Bedenken der Wähler angesichts der wirtschaftlichen Situation zugespitzt. Zwei Drittel (66 Prozent) der Amerikaner stufen die wirtschaftlichen Bedingungen im Land als lediglich günstig (43 Prozent) oder schlecht (23 Prozent) ein. Nur 5 Prozent bewerten die Konjunktur als ausgezeichnet und 29 Prozent als gut. Ferner glaubt eine Mehrheit von 55 Prozent der Amerikaner, dass sich die Lage der Volkswirtschaft verschlechtert. Weitere 28 Prozent sagen, die wirtschaftliche Lage sei gleich bleibend - was wohl kaum als positive Diagnose zu werten ist – und nur 16 Prozent sagen, die Konjunktur verbessere sich.

Die wirtschaftlichen Erwägungen der Amerikaner haben sich im Lauf der Zeit verändert. Gut bezahlte, sichere Arbeitsplätze sind noch immer ein zentrales Anliegen, aber in einem Umfeld, in dem es amerikanische Arbeitnehmer immer schwieriger finden, mit den steigenden Lebenskosten mitzuhalten, ist die Bezahlbarkeit von Gesundheitsfürsorge das wichtigste wirtschaftliche Interesse der Wähler. Auf die Frage, welches wirtschaftliche Thema ihnen am meisten Sorgen bereitet, entscheidet sich eine Mehrheit von 29 Prozent der Wähler für die steigenden Kosten für die Gesundheitsfürsorge - mehr als jene, die sich für höhere Steuern entscheiden (24 Prozent), einen sicheren Ruhestand (16 Prozent), der Verlust des Arbeitsplatzes (11 Prozent) oder Ausgaben wie Kinderbetreuung oder Schulgeld (10 Prozent). Amerikaner, die erschwingliche Gesundheitsfürsorge als eine der Säulen des amerikanischen Traums betrachten, sehen die steigenden Gesundheitskosten heute als direkte Bedrohung für ihre Familien, weiterhin der Mittelschicht anzugehören und diesen Traum zu verwirklichen. Die Wähler sind auch der Ansicht, dass Kosten für die Gesundheitsfürsorge ein großes Hindernis sind, wenn man sich selbstständig machen will. Dies ist eine nicht unbedeutende Erkenntnis in einer Gesellschaft von Unternehmern, in der 48 Prozent der Menschen eben dies vorhaben.

Zudem ist die Skepsis der amerikanischen Arbeitnehmer gegenüber den Vorzügen der Globalisierung gewachsen, da sie immer mehr mit Niedriglohn-Arbeitskräften aus Ländern in Wettbewerb stehen, in denen grundlegende Rechte möglicherweise nicht geschützt sind. Ganze 65 Prozent aller Amerikaner bewerten vermehrten Handel zwischen den Vereinigten Staaten und anderen Ländern als hauptsächlich schädlich für amerikanische Arbeitnehmer. Die Hälfte der Amerikaner (50 Prozent) ist heute der Meinung, dass Handel US-Unternehmen hauptsächlich schade. Dies veranschaulicht, wie sehr sich die Denkweise seit Ende des letzten Jahrzehnts verändert hat, als noch 56 Prozent der Amerikaner mehr Handel als hauptsächlich förderlich für US-Unternehmen sahen.

Allgemeiner gesehen ist das wachsende Gefühl zu verzeichnen, dass die Mittelschicht keinen Anteil mehr am Wohlstand der Nation hat, sondern an Boden verliert, während eine kleine Elite ungeheuerliche Gewinne einfährt. Die Wählerbefragungen nach den Wahlen untermauern diese Erosion des Vertrauens der Wähler in den amerikanischen Traum im 21. Jahrhundert. Die Hälfte der Wähler sagte, sie hätte gerade genug, um auszukommen, und 17 Prozent gaben an, ihre wirtschaftliche Situation verschlechtere sich. Weniger als ein Drittel der Wähler (31 Prozent) erklärte, sie verbessere sich finanziell. Noch erstaunlicher ist, wie pessimistisch die Amerikaner heute die Zukunft ihrer Kinder beurteilen. 40 Prozent waren der Meinung, das Leben der nächsten Generation von Amerikanern würde sich im Vergleich zu heute verschlechtern, 28 sagten, es würde in etwa gleich bleiben, und nur 30 Prozent erwarteten, das Leben der nächsten Generation würde sich verbessern. 2008 werden die amerikanischen Wähler den Kandidaten wählen, dem sie am ehesten zutrauen, das Versprechen des amerikanischen Traums zu erfüllen – die Teilhabe an wirtschaftlichem Wohlstand sowie die Möglichkeit für Arbeitnehmer, ihren Kindern bessere Chancen zu bieten.

Der zunehmende Wunsch nach Wandel und Rechenschaftspflicht

Die anschwellende öffentliche Besorgnis über sowohl außen- als auch innenpolitische Themen nährt den Wunsch nach grundlegenden Reformen der US-Regierung. Die Präsidentschaftswahlen 2006 waren in vielerlei Hinsicht ein öffentlicher Ruf nach mehr Rechenschaftspflicht. Drei Viertel der Wähler bezeichneten die Themen Korruption und Moral als wichtig für ihre Wahlentscheidung bei den Kongresswahlen, und das mit beachtlicher Intensität (41 Prozent als extrem wichtig).

Während der Irakkrieg dazu herangezogen werden kann, die niedrigen Umfragewerte des amtierenden Präsidenten zum Teil zu erklären, erklärt er nicht, warum der neue Kongress, in dem die Oppositionspartei die Mehrheit hält, von den Wählern auch so wenig geschätzt wird. Die Zustimmungsrate von Präsident Bush beträgt nur 31 Prozent, wobei die Zustimmungsrate für den Kongress mit 21 Prozent noch kritischer ist. Es lässt sich also zusammenfassen, dass die Öffentlichkeit Veränderungen fordert und alle gewählten Vertreter für die Durchführung dieser Veränderungen zur Verantwortung zieht. Das hat zur Folge, dass 56 Prozent aller Amerikaner jetzt der Meinung sind, dass "die Bundesregierung umgestaltet werden muss - also bedeutende und grundlegende Veränderungen durchlaufen muss." Nur 34 Prozent sind der Meinung, "die Bundesregierung muss kleine Veränderungen durchlaufen, aber nicht umgestaltet werden", und nur 3 Prozent denken, "die Bundesregierung muss gar keine Veränderungen durchlaufen."

Und trotz des verminderten Vertrauens in die Regierung wollen mehr als die Hälfte aller Amerikaner eine größere Rolle dieser Institution bei den Herausforderungen, die dem Land bevorstehen. 52 Prozent sind sich einig, dass "die Regierung mehr tun sollte, um Probleme zu lösen und den Bedürfnissen der Menschen gerecht zu werden", verglichen mit nur 40 Prozent, die der Meinung sind, dass die "Regierung zu viele Dinge tut, die sie besser den Unternehmen und Einzelpersonen überlassen sollte". Hierbei ist bemerkenswert, dass diese Zahlen quasi das Gegenteil der Stimmung sind, die vor fast zehn Jahren verzeichnet wurde (41 Prozent sagten damals, "die Regierung sollte mehr tun", 51 Prozent sagten, "die Regierung tut zu viel").

Abschließend lässt sich feststellen, dass der US-Wähler sich in der Tat im Wandel befindet – er wird zynischer, ängstlicher und unsicherer. Gleichzeitig blickt er aber auch weiterhin verhalten optimistisch in die Zukunft. Die Wähler wollen einen politischen Vertreter, der gezeigt hat, dass er fähig ist, die Herausforderungen für die Vereinigten Staaten im 21. Jahrhundert zu erkennen und zu lösen und damit den amerikanischen Platz auf der Welt zu sichern. Diesem Hang zu einer erfahrenen, ruhigen Hand widerspricht der starke Wunsch nach einem Präsidenten, der für den Wandel steht, den die überwältigende Mehrheit der Amerikaner jetzt sehen wollen. Der Kandidat, der diese scheinbar widersprüchlichen Dimensionen im politischen Führungsstil überzeugend miteinander vereinbaren kann, ist der Kandidat, der die Präsidentschaftswahl 2008 gewinnen wird – und mit ihr die Fähigkeit, die Nation zu verändern, sowohl in den Augen der US-Bürger, als auch in den Augen der Welt, was ebenso wichtig ist.

Die in diesem Artikel vertretene Meinung spiegelt nicht unbedingt die Ansichten oder Politik der US-Regierung wider.

Originaltext: The Changing U.S. Voter

siehe: http://usinfo.state.gov/journals/itdhr/1007/ijde/gotoff.htm