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Beitrag von US-Botschafter William R. Timken jr. zum 50. Jahrestag der Unterzeichnung der Römischen Verträge
25. März 2007
Europa: Ein Traum wird wahr
Überall in Europa wird heute der 50. Jahrestag der Unterzeichnung der Römischen Verträge gefeiert. Als derzeitige Inhaberin der EU-Ratspräsidentschaft veranstaltet die deutsche Regierung eine besondere Geburtstagsparty am Brandenburger Tor, nur wenige Meter von unserem neuen Botschaftsgebäude und dem Ort entfernt, an dem Präsident Ronald Reagan vor fast genau 20 Jahren eine einfache Forderung aussprach: Reißen Sie diese Mauer nieder! Wir haben an der Fassade unserer neuen Botschaft eine riesige Glückwunschkarte angebracht, mit der wir zu den ersten 50 Jahren Europäische Union gratulieren wollen, weil wir der Meinung sind, dass die EU eine der größten Errungenschaften der modernen Geschichte ist.
In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg schufen Amerikaner und Europäer gemeinsam eine neue Struktur für den Frieden. Die Vereinigten Staaten haben das hehre Unterfangen des europäischen Einigungsprozesses stets unterstützt - vom Komitee für wirtschaftliche Zusammenarbeit in Europa (CEEC) und der Montanunion zur Einführung des Euro und der Erweiterung um ehemals osteuropäische Länder. Aber für die Amerikaner war die Vision eines neuen, geeinten Europas hier in Deutschland am klarsten nachvollziehbar. Auch wir träumten von einem Europa und einem Deutschland, das geeint, frei und friedlich ist - und wir unterstützten diesen Traum mit Worten und Taten.
Diese Vision muss jetzt einen Schritt weiter geführt werden. Viele der großen internationalen Fragen des 20. Jahrhunderts hatten in ihrem Kern mit der politischen und wirtschaftlichen Organisation Europas zu tun. Heute, am Anfang des 21. Jahrhunderts, in der Welt nach dem 11. September, stehen wir neuen und schwierigen Herausforderungen gegenüber. Die Gefahren von heute sind nicht weniger bedrohlich als vor 50 Jahren - es sind andere Gefahren, aber wir müssen sie genauso ernst nehmen. Wir sind überzeugt, dass Freiheit, Sicherheit und Wohlstand innerhalb der euroatlantischen Gemeinschaft von der Verbreitung eben dieser Werte überall auf der Welt abhängen. Das treibt uns in unserem gemeinsamen Engagement an, Demokratie und Freiheit zu fördern, Frieden in krisengeschüttelten Regionen zu ermöglichen und globalen Wohlstand zu unterstützen.
Manchmal wird gesagt, dass ein geeintes Europa ein Gegengewicht zu den Vereinigten Staaten ist. Diese Ansicht verwechselt ein Gleichgewicht der Kräfte mit dem gemeinsamen Eintreten für unsere gemeinsamen Werte und Aufgaben. Sie wird nicht den vielen Vorteilen gerecht, die sich aus der Einigung ergeben. Und schließlich zeugt sie von falsch verstandenen amerikanischen Interessen. Was uns beunruhigt ist nicht europäische Stärke, sondern europäische Schwäche. Die Vereinigten Staaten brauchen ein starkes Europa und eine starke Europäische Union.
Die deutsche EU-Ratspräsidentschaft und der deutsche G8-Vorsitz sind für die Mitglieder der transatlantischen Gemeinschaft eine hervorragende Gelegenheit, Fortschritte zu machen. Unter Bundeskanzlerin Merkel leistet Deutschland in der Europäischen Union und der G8 ausgezeichnete Führungsarbeit. Die europäisch-amerikanische Partnerschaft ist stärker und effektiver als jemals zuvor. Wir arbeiten täglich zusammen, um zur Lösung von Konflikten in Afrika beizutragen, Frieden im Nahen Osten zu ermöglichen, die Weiterverbreitung von Waffen zu unterbinden und den Terrorismus zu bekämpfen.
An Jahrestagen begeht man feierlich vergangene Errungenschaften, aber sie stellen auch Brücken in die Zukunft dar. An diesem Jahrestag des 50-jährigen Bestehens der Europäischen Union freuen sich die Vereinigten Staaten auf die kommenden 50 Jahre partnerschaftlicher transatlantischer Zusammenarbeit. Wir haben gemeinsame Werte. Wir haben gemeinsame Sorgen. Durch starke Worte und ebenso starke Taten haben wir viele unserer Ziele und Träume im 20. Jahrhundert erreicht. Im 21. Jahrhundert ist ein ebensolches Engagement erforderlich.


