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Ansprache von Dr. Klaus Scharioth, Staatssekretär des Auswärtigen Amtes

6. Oktober 2004



Sehr geehrter Herr Botschafter, lieber Dan, liebe Marsha,
sehr geehrter General Williams,
sehr geehrter Herr Bundesminister Schily, sehr geehrter Regierender Bürgermeister,
sehr geehrte Botschafter,
sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete des deutschen Bundestages,
meine sehr verehrten Damen und Herrn.

Heute ist ein guter Tag, ein guter Tag für Deutschland, für Amerika und für die transatlantischen Beziehungen. Die Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika kehrt an ihren Stammplatz zurück. Das hat eine Weile gedauert. Wir kennen alle, wir erinnern uns an die Diskussionen:
- wie soll sie genau aussehen,
- wie hoch soll sie sein,
- wie groß soll sie sein.
Am Schluss, glaube ich, haben sich dann alle der Einsicht des amerikanischen Nachrichtensprechers Dan Rather angeschlossen, der einmal gesagt hat „Americans will put up with anything provided it doesn’t block traffic“. Und so ist ja auch hier die Lösung gefunden worden.

Erlauben Sie mir als Vertreter des Auswärtigen Amtes ein paar Worte zu den transatlantischen Beziehungen. Deutschland hat Amerika und den Alliierten sehr viel zu verdanken. Die Befreiung von der Nazidiktatur, die Berliner Luftbrücke in der die abgeschlossene Stadt durch die Luft versorgt wurde, das Überleben im Kalten Krieg, die Wiederherstellung der deutschen Einheit. Wir alle wissen, ohne den Beitrag der USA wäre dies nicht möglich gewesen und wir werden das nie vergessen. Heute stehen wir Schulter and Schulter, Seite an Seite im Kampf gegen den internationalen Terrorismus und wer erlebt hat, wie am 12. September 2001 hier am Brandenburger Tor 200.000 Berliner und Berlinerinnen demonstriert haben für Solidarität, für Freundschaft mit den USA, der weiß: dies hat auch eine emotionale Seite und einen emotionalen Aspekt.

Die deutsch-amerikanische Freundschaft hat ein starkes Fundament. Sie gründet auf gemeinsame Werte, sie gründet auch auf sehr ähnliche Interessen in einer sich globalisierenden Welt. Deswegen wird auch in Zukunft deutsche Außenpolitik auf den beiden Grundpfeilern ruhen, auf denen sie im Augenblick ruht und dies ist ein parteiübergreifender Konsens: auf der europäischen Integration und auf der transatlantischen Freundschaft. Wenn es uns gelingt, dass Europa und Nordamerika zusammen vorgehen, dann ist der Erfolg nicht weit. Ich nehme nur als Beispiel Bosnien nach Dayton, Kosovo, Mazedonien, Afghanistan.

Ich glaube der Tag heute, der 6. Oktober, ist ein sehr treffender Tag für diesen Spatenstich. Heute vor 321 Jahren sind die ersten Deutschen nach Amerika eingewandert, nach Pennsylvania. Heute sind es 45 Millionen Amerikaner, die deutsche Vorfahren haben und wenn man sich die Statistik, seit die Statistik geführt wird, nämlich seit 1800, der amerikanischen Einwanderung anschaut, dann sieht man, dass aus keinem anderen Land so viele Einwanderer nach Amerika gekommen sind wie aus Deutschland. Mehr als aus Großbritannien, Italien oder Mexiko und ich glaube, diese Deutschen haben sich sehr integriert in die Gesellschaft Amerikas, haben an dem amerikanischen Traum mitgearbeitet. Wenn man an Namen denkt wie John Rockefeller oder Walter Chrysler, an Henry Steinway, an Levy Strauss oder auch an Doris Day, dann weiß man vielleicht nicht, dass alle diese deutsche Vorfahren hatten.

Ein letztes Wort noch zur Lage dieser Botschaft. Ich glaube der Pariser Platz ist die beste Adresse dieser Republik und ich glaube, es ist ein besonders treffender Ort für eine amerikanische Botschaft. Es ist kein Steinwurf von hier, dass Ronald Reagan 1987 gesagt hat was wir Deutschen nicht vergessen werden „Mr. Gorbatschow tear down this wall, open up this gate!“ und ich glaube damals haben alle Berlinerinnen und Berliner dies sehr zu schätzen gewusst. Wie auch 25 Jahre davor, als John F. Kennedy gesagt hat „Ich bin ein Berliner“ und ich glaube es ist auch kein Zufall, dass seitdem alle amerikanischen Präsidenten durch das Brandenburger Tor gegangen sind, wenn sie hier waren. Wir gönnen dem amerikanischen Botschafter, der hier sitzt, den allerbesten Blick auf die Quadriga – er hat ihn wohl verdient.

Ich wünsche Ihnen lieber Dan und allen, die hier an dieser Botschaft arbeiten werden, viel Glück und Segen in diesem neuen Gebäude. Es lebe die deutsch-amerikanische Freundschaft!

Vielen Dank!


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