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Thanksgiving Dinner
Botschafter William R. Timken jr.

Düsseldorf
30. November 2006
Es gilt das gesprochene Wort.

Mitglieder und Freunde des Industrie-Clubs Düsseldorf und der Steuben-Schurz-Gesellschaft,

Sue und ich möchten Ihnen für die Einladung zu diesem Thanksgiving-Dinner danken. Ihre Organisationen spielen seit Jahrzehnten eine wichtige Rolle in der wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Szene im Rhein-Ruhrgebiet und leisten überaus wichtige Beiträge zu den deutsch-amerikanischen Beziehungen. Sie haben das Leben vieler Menschen in unseren beiden Ländern positiv beeinflusst – dazu möchte ich Ihnen gratulieren. Soviel ich weiß, ist dies Ihr erstes gemeinsames Thanksgiving-Dinner. Ich hoffe, es ist der Anfang einer langjährigen Tradition.

Feiertage, an denen man Dank sagt, gibt es nicht nur in den Vereinigten Staaten, aber Thanksgiving ist etwas ganz Besonderes für die Menschen in meinem Land. Es verkörpert die Tradition des Gebens und Teilens, die auf den Beginn unserer Geschichte zurückgeht. Es ist eine Zeit, in der Familie und Freunde zusammenkommen und für die Freiheiten und guten Dinge danken, die ihnen gewährt werden. Sue und ich freuen uns über die Anlässe, bei denen wir Thanksgiving mit unseren neuen Freunden in Deutschland feiern durften.

Unsere Familie hat viel, für das sie dankbar sein kann. Mein Urgroßvater hat Deutschland mit seiner Familie im Alter von sieben Jahren verlassen. Er arbeitete hart und gründete ein Unternehmen, das später global agieren und Niederlassungen in 26 Ländern auf der ganzen Welt haben würde. Die Timken Company und der Privatsektor waren 43 Jahre lang mein Leben – bis Präsident Bush mich gebeten hat, dieses Amt zu übernehmen. Ich habe jahrelange Erfahrungen mit der transatlantischen und globalen Wirtschaft. Jetzt, als Botschafter in Deutschland, habe ich die Möglichkeit, die transatlantischen Beziehungen aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Ich habe noch mehr zu schätzen gelernt, wie viel Regierungen und die Privatwirtschaft durch partnerschaftliche Zusammenarbeit erreichen können.

Wir haben uns an der Botschaft besonders über die großzügigen Angebote des Privatsektors und anderer Organisationen zur Unterstützung unseres neuen Austauschprogramms - Windows on America - gefreut. Windows on America begann hier in Düsseldorf. Ich möchte den daran Beteiligten heute noch einmal für ihre Unterstützung danken. Windows on America ist ein zweiwöchiges Austauschprogramm, das jungen Menschen aus unterschiedlichen Bereichen der Gesellschaft, insbesondere Minderheiten und Jugendlichen aus weniger privilegierten Familien, die Möglichkeit eines USA-Aufenthalts bietet. Immer wieder hören wir, wie im Rahmen von Austauschprogrammen gemachte Erfahrungen Sichtweisen – ja sogar ein ganzes Leben - verändern können. Das Programm trägt dazu bei, den amerikanischen Traum für junge Menschen zu erfüllen, die sonst vielleicht nicht die Möglichkeit gehabt hätten, Erfahrungen mit einer anderen Kultur zu machen. Wir wollen jungen Menschen die Chance geben, selbst zu erleben, wofür die Vereinigten Staaten stehen, damit sie sich nicht auf das Bild Amerikas in den Medien, aus Film und Fernsehen verlassen müssen.

Die Unterstützung dieser Initiative geschieht im Geiste des gesellschaftlichen Engagements, das die besten Unternehmen auf beiden Seiten des Atlantiks auszeichnet. Herausragende Leistung wird nicht nur an Gewinnen gemessen. Volkswirtschaften florieren, wenn es den Menschen gut geht. Wirtschaftswachstum, Demokratie, Entwicklung und Frieden sind stärker miteinander verbunden als je zuvor.

Seit Ende des Kalten Krieges gab es keine anderen Regionen auf der Welt, in denen die wirtschaftliche Integration schneller und intensiver vonstatten ging als in den Vereinigten Staaten und der Europäischen Union. 40 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung wird von der EU und den Vereinigten Staaten erzielt, und mehr als ein Drittel des weltweiten Handels findet zwischen der EU und den Vereinigten Staaten statt. Zunehmende Investitionen, stärkere wirtschaftliche Integration und mehr Unternehmenspartnerschaften verbinden unsere Geschäftsleute, Verbraucher, Arbeitnehmer und Landwirte.

Die transatlantischen Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten sind ein perfektes Beispiel. In den Vereinigten Staaten gibt es über 3.250 deutsche Unternehmen mit einem Jahresumsatz von 429 Milliarden Dollar und in Deutschland mehr als 1.250 amerikanische Untenehmen mit einem Umsatz von 214 Milliarden Dollar. Insgesamt schaffen diese Unternehmen in unseren beiden Ländern über 1,25 Millionen Arbeitsplätze.

Einige der dynamischsten Investitionen werden in Ostdeutschland getätigt. Über ein Drittel aller amerikanischen Unternehmen mit Investitionen in Deutschland sind in der ehemaligen DDR tätig; sie investieren dort insgesamt über 20 Milliarden Dollar und schaffen damit Arbeitsplätze.

Ich würde es begrüßen, wenn die Unternehmen mehr tun würden, um diese positiven Entwicklungen auch publik zu machen. Die Schaffung von Arbeitsplätzen durch umfangreiche Investitionen der Vereinigten Staaten in Europa ist eine Erfolgsgeschichte, von der die Menschen hören sollten.

Unternehmen haben schon immer eine wesentliche Rolle dabei gespielt, die globale Reichweite freier Märkte, des freien Handels und des freien Unternehmertums zu fördern.

Wohlstand wird vom Privatsektor geschaffen - dort werden Ideen zu Innovationen, die Produktivität steigern und den wundervollen Lebensstandard ermöglichen, den wir in den Vereinigten Staaten und in den meisten Teilen Europas genießen. Ich denke die Weltwirtschaft wird mit dem Voranschreiten der Globalisierung in Zukunft noch stärker wachsen. Die Nachfrage nach Gütern wird zunehmen. Die Menschen wollen mehr Wohlstand und einen besseren Lebensstandard genießen. Ein größerer Kuchen, nicht das Aufteilen in kleinere Stücke, ist die einzige Möglichkeit, den Wunsch der Menschheit nach einem besseren Leben zu erfüllen.

Partnerschaften mit dem Privatsektor bringen mehr als Geld mit sich. Sie ermöglichen mehr Effizienz und Fachwissen. Regierungspolitik und –anreize können den Ton vorgeben, aber Innovation wird nur zur nationalen Priorität, wenn sie in der Kultur und der Art und Weise verankert ist, wie die Wirtschaft funktioniert. Ideen etablieren sich nicht einfach von allein.

Entschlossene Ingenieure und engagierte Bürger müssen sich Tag für Tag, Jahr für Jahr aktiv für sie einsetzen. Oftmals ist es am besten, wenn Regierungen den Privatsektor frei gewähren lassen, indem sie überflüssige Steuern und Regulierungen abbauen.

Daher begrüße ich auch die Pläne von Bundeskanzlerin Merkel, während der anstehenden deutschen EU-Ratspräsidentschaft Innovationen zu fördern und den wirtschaftlichen Wettbewerb zu stärken.

Im Jahr 2000 verpflichtete sich die EU zur Agenda von Lissabon, einem Reformplan, der die EU über einen Zeitraum von zehn Jahren zu einem schnell wachsenden, wettbewerbsfähigen, wissensbasierten Wirtschaftsraum machen soll. Bisher waren die Fortschritte minimal. Aber Reformen sind die einzige Antwort. Europa benötigt flexiblere Arbeits- und Kapitalmärkte, einen besseren Schutz des geistigen Eigentums, eine leichtere Umsetzung neuer Technologien sowie größere Investitionen in Menschen und Forschung. Mehr Innovation und Wettbewerbsfähigkeit sind gut für Europa.

Sie sind auch gut für die transatlantischen Beziehungen und die Welt. Wir freuen uns auf die Führungsrolle Deutschlands bei der Umsetzung dieser Agenda.

Letztendlich können wir die mit neuen Ideen, neuen Herstellungsverfahren, neuen Dienstleistungen oder neuen Konsumgütern einhergehenden Chancen und den daraus resultierenden Wohlstand nur voll genießen, wenn wir sie auch zu unserem Vorteil nutzen können.

Seit dem Zweiten Weltkrieg ist die Öffnung von Märkten für den Handel der stärkste Motor für Wirtschaftswachstum. Deutschland hat davon am meisten profitiert. Deutschland ist die größte Exportnation und damit die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt.

Offene Märkte sind für Wirtschaftswachstum unerlässlich. Aus diesem Grund müssen wir uns ernsthaft bemühen, die Verhandlungsrunde von Doha doch noch zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen.

Freier Handel ist das Herzstück der Vision von Präsident Bush für eine Welt mit mehr wirtschaftlichen Chancen, mehr Wohlstand und Freiheit. Die jüngsten Kongresswahlen in den Vereinigten Staaten werden nichts an der Entschlossenheit der amerikanischen Regierung ändern, Handelsschranken abzubauen.

Das Gute an der Handelspolitik ist, dass es tatsächlich eine Situation gibt, in der beide Seiten nur gewinnen können. Wenn sich Volkswirtschaften entwickeln, wird es immer Bereiche geben, die sich radikal verändern, aber der Wirtschaftskuchen, von dem ich bereits sprach, kann vergrößert werden. Es ergeben sich neue Chancen.

Zahlreiche Studien belegen, dass freier Welthandel Millionen von Menschen aus der Armut befreien könnte und sowohl für die Entwicklungsländer als auch für die Industrienationen große Vorteile mit sich brächte. Es ist noch Zeit, bei der derzeitigen Verhandlungsrunde zu einer gemeinsamen Lösung zu kommen, aber Sie müssen Ihren Stimmen Gehör verschaffen. Die europäischen Unternehmen müssen ihren Politikern sagen, dass ein Scheitern der derzeitigen Handelsgespräche nicht akzeptabel ist.

Abschließend möchte ich Sie heute anlässlich unseres Thanksgiving-Dinners bitten, sich darüber Gedanken zu machen, was Sie und Ihr Unternehmen dafür tun können, dass sich die Öffentlichkeit der Bedeutung der transatlantischen Beziehungen bewusst wird und sie unterstützt. Ich glaube fest daran, dass die Schaffung möglichst vieler Verbindungspunkte zwischen Menschen sicherstellt, dass wir unsere gemeinsamen Ziele nicht aus den Augen verlieren. Es gibt viele Möglichkeiten, wie wir diese Verbindungen aufbauen und fördern können – in unseren Unternehmen, Schulen und Bibliotheken im Rahmen von neuen Initiativen wie Windows on America und America @ yourlibrary und bewährten Austauschprogrammen. Konrad Adenauer, ein Sohn Nordrhein-Westfalens und einer der Väter der transatlantischen Beziehungen, sagte: "Wenn die Welt groß und komplex erscheint, müssen wir uns in Erinnerung rufen, dass alle großen Ideale auf der Welt ihren Ursprung in einer kleinen Nachbarschaft hatten."

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