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Grußwort anlässlich der Eröffnung der Ausstellung  „Joan Mitchell – Eine Entdeckung der New York School“ 
Emden, den 6. Dezember 2008
Chargé John Koenig, Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika


Sehr geehrte Frau Nannen,
sehr geehrter Herr Dr. Hinrichs,
sehr geehrter Herr Dr. Ohlsen,
sehr geehrter Herr Professor Göring,
sehr geehrte Frau Dr. Henkel,
meine sehr verehrten Damen und Herren,

ich danke Ihnen herzlich für die Einladung zur Eröffnung der Ausstellung mit Werken von Joan Mitchell. Es ist mein erster Besuch in Emden und ich bin beeindruckt von Ihrem großartigen Museum für zeitgenössische Kunst, das in der Tat zu der „lebendigen Begegnungsstätte zwischen Bildern und Bürgern“ geworden ist,  die sich der verstorbene Henri Nannen gewünscht hat. Als amerikanischer Diplomat freut es mich sehr, dass Sie einer amerikanischen Künstlerin eine Ausstellung widmen, deren Werke in den großen Museen meines Landes zu bewundern sind, die aber in Europa eher unbekannt ist. Allein in New York City finden sich Gemälde von Joan Mitchell im Museum of Modern Art, im Guggenheim Museum, im Whitney Museum und im Rockefeller Institute. Als Vertreterin der zweiten Generation des Abstrakten Expressionismus prägte auch sie -- neben Jackson Pollock, Willem de Kooning und Mark Rothko -- die erste wahrhaft amerikanische Malerei, die Einfluss auf ausländische Künstler haben sollte. 

Aufgewachsen ist Joan Mitchell in Chicago, im Mittleren Westen, wo ihr Vater sie zusammen mit ihrer Schwester zu Ausflügen auf das Land mitnahm und anregte, Aquarelle zu malen und sie auch mit den Schätzen des Art Institute of Chicago vertraut machte. Weitere Stationen ihres künstlerischen Werdegangs waren die Kunstmetropolen New York City und Paris und schließlich Vétheuil an der Seine, wo sie 1959 auf ein Anwesen mit ausgedehnten Gärten zog.

Landschaften und Ansichten der Natur spielten immer eine zentrale Rolle in der amerikanischen Kunst und das gilt auch für die großformatigen Gemälde von Joan Mitchell, die an die Rhythmen der Natur erinnern wie das Wachsen des Getreides auf den Feldern, verstreute Blätter und das Wachstum der Bäume. Sie spielen auf Landschaften und Wandel der Natur an.  Im Gegensatz zu Pollock oder de Kooning verbrachte Joan Mitchell Monate damit, ein einziges Gemälde zu beenden und hörte Musik, während sie malte. Zu ihrer Arbeit sagte Joan Mitchell, ich zitiere: „Ich möchte die Natur nicht verbessern. Ich könnte sie sicherlich nie widerspiegeln.  Ich möchte eher das malen, mit dem sie mich zurücklässt“.

Sehr geehrte Frau Nannen, Sie haben bereits viele wichtige Auszeichnungen erhalten für „ihren unermüdlichen Einsatz für die Kulturförderung und ihre außergewöhnlichen Verdienste um die Vermittlung von Kunst“ wie es der Deutsche Fundraising Verband so treffend formulierte, der Ihnen den „Deutschen Fundraising Preis 2008“ verliehen hat. Mit Ihrer Arbeit, Ihrem Schwerpunkt auf Museumspädagogik und der Malschule mit Ihrem außerordentlich erfolgreichen Kreativ-Service setzen sie Maßstäbe in der deutschen Museumslandschaft und knüpften in vielen Bereichen an bewährte amerikanische Traditionen an. Denn im Gegensatz zu europäischen Modellen der Kunst- und Kulturförderung ist das System der Förderung in den USA komplex, dezentralisiert, vielfältig und dynamisch. Es kombiniert staatliche finanzielle Unterstützung aus lokalen, bundesstaatlichen und nationalen Quellen mit Zuwendungen von Einzelpersonen, Unternehmen und Stiftungen sowie Einnahmen aus Eintrittskarten und Museumsshops.  Und der weitaus größte Anteil des Budgets von Einrichtungen wie Museen, Theater oder Orchester setzt sich zusammen aus selbst erwirtschafteten Einkünften mit durchschnittlich 44 Prozent und aus privaten Spenden mit rund 43 Prozent. Nur rund 13 Prozent der Kunst- und Kulturförderung in den Vereinigten Staaten werden durch staatliche Stellen geleistet, das wäre undenkbar in Deutschland.

Das hat zur Folge, dass kreatives und hartnäckiges Fundraising über die Zukunft vieler dieser Einrichtungen in den USA entscheidet und dass gerade engagierte Einzelpersonen und Stiftungen das kulturelle Leben in den Amerika bereichern. Hier schließt sich auch wieder der Kreis zu Joan Mitchell, die noch vor ihrem Tod die Gründung der „Joan Mitchell Stiftung“ verfügt hatte. Die Stiftung vergibt  Stipendien an Maler und Bildhauer, verschafft Künstlern den notwendigen Freiraum für ihre Arbeit und organisiert kostenlose Kunstprogramme für Jugendliche in New York City.

Meine Damen und Herren, Emden hatte das außerordentliche Glück, Geburtsort des Stifterpaares Henri und Eske Nannen zu sein, deren Liebe zur Kunst und deren Wunsch, anderen diese Kunst näher zu bringen, zur Gründung eines Museums geführt hat, um das Sie zurecht viele beneiden. Ich wünsche der Ausstellung in der Kunsthalle Emden viele interessierte Besucherinnen und Besucher und hoffe, dass sie dazu beitragen wird, dem interessierten deutschen Kunstpublikum eine faszinierende amerikanische Künstlerin und Epoche der amerikanischen Malerei vorzustellen.

Vielen Dank.