Begrüßung zur Townhall-Diskussion an der Humboldt-Universität
Berlin, 5. Oktober 2009
Botschafter Philip D. Murphy
Sehr geehrter Herr Präsident Markschies,
sehr geehrter Herr Staatssekretär Jungkamp,
liebe Schüler und Studenten,
liebe Gäste.
Vielen Dank, Präsident Markschies, für Ihre freundlichen Worte. Und vielen Dank, dass Sie mich heute hier willkommen heißen. Es ist mir eine Ehre, heute in der Humboldt Universität sprechen zu dürfen. Sie wurde von Wilhelm von Humboldt gegründet. Damals handelte es sich um ein radikales Experiment in der höheren Bildung. Das Experiment war so erfolgreich, dass die Humboldt Universität zu einem Modell für die moderne Forschungsuniversität wurde. Sie war ein Vorbild für die Vereinigten Staaten und große Teile der übrigen Welt. Präsident Markschies, an einem historisch wichtigen Ort mit Blick auf den Bebelplatz möchte ich Ihnen dazu gratulieren, dass Sie und Ihre Vorgänger die Humboldt Universität zu einer Einrichtung gemacht haben, die die Meinungsfreiheit verteidigt und eine lebhafte intellektuelle Debatte als Kennzeichen einer demokratischen Gesellschaft fördert.
Wilhelms Bruder Alexander bezeichnete sich selbst als "halb amerikanisch". Im Verlauf seiner wissenschaftlichen Forschung und Erkundungen stand er mit mehreren amerikanischen Präsidenten, Gelehrten und Wissenschaftlern in Kontakt. Seine Schriften zur Naturwissenschaft haben viele unserer großen Schriftsteller inspiriert, darunter auch Whitman, Thoreau und Emerson. Sie trugen letztendlich zur Entstehung der amerikanischen Umweltbewegung bei.
Alexander von Humboldt mochte Amerika und die Amerikaner. Er wusste, wenn sich Freunde über eine Sache nicht einig sind, müssen sie trotzdem miteinander ehrlich sein. Genauso sind Sie, die unsere Werte teilen, aber der US-Politik kritisch gegenüber stehen, gute Freunde der Vereinigten Staaten. Alexander von Humboldt war mit Recht entsetzt über die Sklaverei. Er stand der damaligen US-Regierung kritisch gegenüber, die sie tolerierte. Es hat viele Jahre gedauert, bis wir erst die Sklaverei abgeschafft, und dann das bestehende Problem der Rassendiskriminierung angesprochen haben. Wir müssen jeden Tag daran arbeiten, den Worten gerecht zu werden, auf denen unser Land fußt: Dass alle Menschen gleich geschaffen sind. Ich halte diese Bestrebungen für einen der größten Erfolge meines Landes. Ich denke, Alexander von Humboldt wäre erfreut darüber, dass die Amerikaner Barack Obama im letzten Jahr zum President gewählt haben. Er ist ein großer Amerikaner. Ich bin auch stolz darauf, den Präsidenten meinen Freund nennen zu dürfen.
Unsere beiden Länder sind durch eine gemeinsame Geschichte verbunden. Diese ist über die Jahrhunderte immer wichtiger geworden. Diese Freundschaft begehen wir feierlich am Deutsch-Amerikanischen Tag, der morgen, am sechsten Oktober stattfindet. Sechzehnhundertdreiundachtzig kamen die ersten Deutschen nach Amerika. Sie waren auf der Suche nach Glaubensfreiheit und wirtschaftlichen Chancen. Von damals bis heute emigrierten mehr als sieben Millionen Deutsche - Katholiken, Protestanten und Juden - in die Vereinigten Staaten. Heute hat fast ein Viertel aller Amerikaner deutsche Wurzeln. Sie bereichern unsere Nation durch ihr Engagement in der Wirtschaft, der Wissenschaft, der Regierung und den Künsten. Ganz zu schweigen vom Sport. Auch wenn Bayern München Jürgen Klinsmann nicht mehr will, wir sind froh, ihn zu haben. Dieses Erbe und die Geschichte unserer Partnerschaft nach Neunzehnhundertfünfundvierzig machen die Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern sehr familiär. Man ist mit seinem Bruder oder seiner Schwester nicht immer einer Meinung. Aber letzten Endes setzt man sich zusammen an den gleichen Tisch, weil man die gleichen grundlegenden Werte teilt.
Mein Englisch ist nicht so gut, aber es ist auf jedenfall besser als mein Deutsch, und daher bitte ich um Verständnis, dass ich lieber auf Englisch weitermache.