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Unsere Entschlossenheit steht auf dem Prüfstand - Meinungsartikel zur Haiti-Geberkonferenz (31. März 2010)
 

35 Sekunden. So lange dauerte das Erdbeben an, das am 12. Januar Haiti erschütterte. In den Stunden nach dem Erdbeben mobilisierte die internationale Gemeinschaft Hilfe für das Land. Mehr als 140 Länder waren an den sofortigen Rettungs- und Hilfsmaßnahmen beteiligt. Länder, die sich nahe stehen und Länder mit angespanntem Verhältnis zueinander arbeiteten Seite an Seite, in Menschlichkeit vereint. Diese Reaktion hat deutlich gemacht, dass wir zwar die Staatsbürgerschaft des Landes haben mögen, in dem wir leben, aber alle auch Teil einer großen Gemeinschaft von Weltbürgern sind, die sich in der Not gegenseitig helfen. Am Mittwoch, dem 31. März, werden am Sitz der Vereinten Nationen erneut mehr als 110 Länder zusammenkommen, um den Menschen in Haiti zu helfen. Dort werden wir erfahren, welche Vision die Regierung Haitis für die Zukunft ihres Landes hat und wie sie diese Vision in die Tat umsetzen will.

Ziel der Konferenz ist, eine Grundlage für die Gesundung und den Wiederaufbau Haitis zu sichern, indem sich die unterschiedlichsten Geber zu Beiträgen verpflichten: staatliche, private, nichtstaatliche und multilaterale Institutionen. Haiti dabei zu unterstützen, das Land besser wiederaufzubauen, wird kein kurzfristiges Unterfangen sein. Dem "Post Disaster Needs Assessment" – einer Analyse der Vereinten Nationen und der Weltbank – zufolge, wird der Wiederaufbau Haitis viele Jahre dauern und 11,5 Milliarden US-Dollar kosten. Bei der Konferenz wird es darum gehen, insgesamt 3,8 Milliarden US-Dollar zusammenzubekommen, um den Wiederaufbau in den nächsten zwei Jahren zu unterstützen. Diese Ressourcen sind notwendig, um das Fundament für ein stabiles und erfolgreiches Haiti zu schaffen. Das internationale Engagement für Haiti muss über die Notfallhilfe hinausgehen; vielmehr müssen sich die Länder dazu verpflichten, langfristig mit der Bevölkerung und der Regierung Haitis zusammenzuarbeiten, um deren Bemühungen, das Land wiederaufzubauen, zu unterstützen, und zwar so, dass es den Menschen dieses Landes gerecht wird: mit einer pulsierenden Privatwirtschaft, wieder aufgebauten und gestärkten staatlichen Ministerien und einer in der internationalen Staatengemeinschaft verankerten Regierung, die für die Bürger Haitis Verantwortung übernimmt.

Haitis Regierung und ihre internationalen Partner haben sich zur Einhaltung von sechs Prinzipien verpflichtet, die bei der Ministerkonferenz in Montreal kurz nach dem Erdbeben festgelegt wurden. Dies sind: die Übernahme der Verantwortung für die Zukunft Haitis durch das Land selbst; die Einbeziehung aller Beteiligten, insbesondere der haitianischen Bevölkerung, während des Wiederaufbaus und danach; Rechenschaftspflicht und Transparenz der haitianischen Regierung und ihrer Geberpartner, vor allem gegenüber den Menschen in Haiti, aber auch gegenüber der internationalen Gemeinschaft; die Abstimmung innerhalb der haitianischen Regierung sowie mit den Gebern; die Prämisse, dass Investitionen wirksam sein müssen und gemessen wird, wie diese Investitionen das Leben der Haitianer verbessern; die Nachhaltigkeit unserer Investitionen durch ein dauerhaftes Bekenntnis zur Zusammenarbeit mit den Menschen und der Regierung von Haiti, um die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass der Prozess von den Gebern an die Regierung übertragen werden kann.

Zukunftsorientierung und Wiederaufbau bedeuten nicht, dass wir die Herausforderungen der Gegenwart unbeachtet lassen dürfen. Wir werden weiterhin mit der Regierung Haitis zusammenarbeiten, um dringende humanitäre Bedürfnisse zu erfüllen. Wir wissen, dass eine erfolgreiche Zukunft davon abhängt, dass diejenigen, deren Leben sich durch das Erdbeben verändert hat, jetzt die notwendige Unterstützung erhalten – Menschen, die ihr Zuhause verloren, kaum zu essen und keinen angemessenen Zugang zu sanitären Anlagen haben.

Wir alle haben in den vergangenen zweieinhalb Monaten die Bilder aus Haiti gesehen. Es waren Bilder der Verzweiflung und des Leids, aber auch Bilder, die die Entschlossenheit, den Widerstand und die Lebensfreude der Haitianer zeigten. Wir dürfen unser Engagement in Haiti nicht mit den Medienberichten einschlafen lassen. Ob Sie nun ein Unternehmen besitzen, in die Schule gehen oder für eine Regierung arbeiten – Sie können helfen, die Botschaft der in Haiti gegenwärtigen Hoffnung zu vermitteln, ebenso wie die Vision, die die Regierung von Haiti skizzieren wird, um das Land wiederaufzubauen und aus dieser Hoffnung eine Realität zu machen.

Außenministerin Clinton sagte vor dem Erdbeben: „Für einige von uns ist Haiti ein Nachbarland, für andere ein Ort der historischen und kulturellen Verbindungen. Aber für uns alle ist dies eine Prüfung unserer Entschlossenheit und unseres Engagements."